"Ja, natürlich, kein Problem, ich will ja gar keine Geschenke bekommen. Besitze schon genug Zeug, das in der Wohnung Staub fängt."
Pepe stellte sich vor, wie Lena vor einem geschmückten Tannenbaum Sören ansieht, der ihr Baby auf dem Arm hält, und dabei süß aussieht.
"Bin ich etwa eifersüchtig? Ich, der ich viel älter bin als diese Gören? Wie Sören zunächst reagiert hatte, als er erfuhr, dass Lena von ihm schwanger war. Voll daneben!
Der hatte mehr Sorge um seinen Ausbildungsplatz, als um seine Freundin. Ich bin damals in die Bresche gesprungen, habe mich um sie gekümmert, ich!
Dankbarkeit erwarte ich ja gar nicht für diese Selbstverständlichkeit. Aber vielleicht eine Geste, die das Herz erwärmt. Die würde mich freuen!"
Draußen wurde es langsam dunkel. Der Zug fuhr mit hohem Tempo. Kreischende Fahrgeräusche drangen ins Abteil. "Irritierend, dieses Rasen! Während man selbst ruhig in seinen Polstern sitzt. Mich macht es nervös. Ob es im Bistrowagen leiser ist? Habe ich die wunderbare Stimmung dort vielleicht nur geträumt."
Maria wachte auf und sah aus verschlafenen Augen blinzelnd umher. Sie schien noch in den Bildern eines Traumes gefangen, die sie nicht einfach losließen. Unsicher hob sie ihr Buch in Lesehöhe, um wenigstens in den Buchstaben ihre Gegenwart verzeichnet zu finden.
Die ältere Dame begann unvermittelt zu sprechen.
"Es ist eine Unverschämtheit, dass bis jetzt noch kein Servicewagen hier vorbei gekommen ist. Um diese Uhrzeit hätte ich schon mindestens ein Baguette mit Käse und Tomaten gegessen. Die ganze Zeit kann ich an nichts anderes denken. Auch die Fahrscheine werden hier nicht regelmäßig kontrolliert! Unfassbar, dieser Service! Und durch die Fensterritze zieht es."
Sie blickte in die Runde als erwartete sie selbstverständlich Beifall. Pepe sah sie wie tief betroffen an.
"Das ist noch nicht das Schlimmste. Ich fürchte, wir fahren zu schnell. Neulich habe ich Bilder von einem Zugunglück gesehen. Ein grässlicher Anblick. Wegen überhöhter Geschwindigkeit! Aus einer Kurve direkt in eine Schlucht. Das muss die reinste Höllenfahrt gewesen sein. Oder hatte ich das im Kino gesehen? Egal, grässlich war es auf jeden Fall!"
Das Gesicht der älteren Dame sah blass aus, aber Pepe redete ungerührt weiter.
"Besuchen Sie mich doch einmal in Quakenbrück! Dann belege ich Ihnen die Pizza doppelt mit Käse und Tomaten. Service im Preis inbegriffen!"
Maria schaute von ihrem Buch auf. Sie war nun wieder vollkommen anwesend. Es amüsierte sie, wie er die Nörgeleien der älteren Dame verspottete, ohne dass sie es bemerkte. Pepe hatte ihren leisen Zuspruch bemerkt.
"Imponierten ihr etwa Männer mit dem Hang zur vorlauten Frechheit?"
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