Wednesday, December 21, 2005

Fortsetzung 32

Zivilcourage zeigen, wenn jemand von Stärkeren bedroht wird! Wer traut sich das wirklich? Davon zu reden und danach zu handeln sind jedoch zwei ganz verschiedene Paar Schuhe! Die passen nicht an jede Füße. Die Knutschgeräusche der älteren Generation hörten jedenfalls für einige Augenblicke auf. Pepe jubilierte innerlich. Schnell weiter, damit sie aus dem Kussrythmus kommen!
"Sören klappte vorsichtig leise die Sitzbank seines Mopeds auf, um ebenso leise aus dem Reparaturfach darunter eine neue Motorradkette hervorzuziehen, die er für Notfälle immer dabei hatte.
Wollen mal sehen, ob du gelogen hast, drohte die böse Stimme eines der Halbstarken vom Spielplatz. Die anderen beiden lachten.
Lass doch die Kleine! Einer von den Dreien zeigte etwas Mitleid.
Im zweiten Stockwerk eines der Häuser wurde knarrend und scheppernd ein Fenster geöffnet. Es klang wie in einem Horrorfilm. Sören dachte allerdings nun seltsamerweise an Öl. Müssen Fensterscharniere nicht genauso geölt werden wie Motorradketten?
Seltsam, was einem so durch den Kopf geht, obwohl es einen im wirklichen Leben überhaupt nicht weiter bringt. Vielleicht hätte er lieber dieses Fenster geölt, als sich mit drei älteren Typen anzulegen. Auweia!
Los, hau schnell ab!
Befahl die Stimme desjenigen, der mit Lena etwas Mitleid hatte. Der Haupttäter klang enttäuscht.
Wenn ich dich das nächste Mal treffe, Mäuschen, dann mache ich aber dein Schatzkästchen auf. Damit wir wissen, was für ein Schätzchen du bist!
Das Mädchen bekam einen Stoß in die Seite, der ihr Gesicht kurz in den Lichtschein warf. Lena! Sie war es. Jetzt powerte Sören los!
Motor starten, der Scheinwerfer leuchtete hell auf. Lena rannte blitzschnell los.
Wer macht das denn?
Die Typen in den Lederjacken blickten gereizt in das aufgeblendete Fernlicht. Ihre Kippen flogen auf den Boden. Jetzt hatte Sören sie am Hals.
Moped wenden, Tempo, und das auf dem engen Gehweg! Sie rannten schon los. Bloß jetzt die Nerven behalten!
Geschafft! Jetzt aufsitzen und sofort die Kupplung kommen lassen! Der Motor heulte auf. Die Motorradkette in der Hand störte.
Dich kriegen wir!
Sören hörte sie dicht hinter sich brüllen. Er ließ die Kette einfach fallen, zog die Maschine auf volle Leistung. Die hob vorne richtig ab, gut getunt, das Moped! Einer von denen fiel auf die Nase, der Vorderste, der ihn schon fassen wollte. Jetzt bloß nicht stürzen!
Feiner Sand lag auf den Platten, die Kurven waren enge Winkel. Einmal ging der Reifen hinten weg, er stützte mit dem Stiefelabsatz ab. Gab einen schwarzen Strich von seiner Sohle. Dann riss der absatz ab.
Plötzlich Ende, Hausnummer siebzehn M, leuchtete vor ihm wie ein fernes Licht in einem Tunnel. Links und rechts nur Blumenbeete, hinter ihm die, die jetzt erst richtig sauer waren. Wohin?
Egal, soll der Gärtner neu bepflanzen, was hier an Gemüse durch die Luft fliegt! Quer riss er die Maschine durch Beete und Rabatten. Dass nur der Sprit reicht!
Die Maschine pflügte Erde um und schlingerte, doch er hielt Kurs, Abstand zu seinen Verfolgern. Durch Beete bis auf den vollbesetzten Parkplatz. Dort aber würgte er den Motor ab. Kein Sprit mehr.
Grausam! Sören, unter Helm und Kutte, schwitzte. Wenn es einen helfenden Gott gibt, dann bitte, Lieber, hilf jetzt! Gleichgültig, unter welchem Namen.
Er bockte die Maschine im Schatten eines Lieferwagens auf, zog schnell den Zündschlüssel ab. Zu Fuß, und jeden Lichtschein von Laternen meiden, war nun sein letzter Ausweg. Er hörte sie schon in der Nähe rufen.
Ich wette, der ist noch hier!
Sören sah in der Nähe ein Motorrad parken, eingehüllt in einen Schlafrock. Wohl gegen schlechtes Wetter, Schutz für Lack und Armaturen. Warum nicht, dort schlich er hin.
Mit einem Taschenmesserschnitt schnell die Befestigung der Wetterkleidung auf, und hochgekrempelt rasch um seine Karre. Und selber hatte er da drunter auch mit Platz.
Hitze von Krümmer und Auspuff, zum Ersticken! Draußen hörte er sie kommen.
Hier in der Nähe ging sein Licht aus. Glaube, der Motor auch.
Die Stimme klang nach Jagdlust, zweifelnd die des anderen. Macht das Sinn? Er ist uns doch längst entwischt. Aber den kenn ich wieder, dann kriegt er auf die Fresse!
Sören betete. Lieber Gott im Himmel!
Plötzlich neben sich diestimme.
Woher kann dieser Kerl denn sein, aus Quakenbrück? Den finden wir.
Ihm wurde übel, als von der Straße her das laute Röhren eines Mopeds zu hören war. Es klang wie seins.
Los hinterher!
Endlich war er sie los."
Nur Maria und Pepe warteten immer noch vergeblich darauf, dass sie das Zugabteil für sich alleine hätten.

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