Er beobachtete Maria genau, ob sie ihr Interesse nicht vielleicht doch gespielt hatte.
"In meiner Mini-Pizzeria serviere ich die kleine Blechpizza auf rechteckigen Pappdeckeln. Ich frage, Peperoni?
Die meisten antworten mit Ja. Durch Peperoni erhält die Pizza einen frischen, säuerlichen Geschmack. Manche mögen es außerdem scharf. Mit Peperoni ist auf der kleinen Pizza mehr drauf, das sieht auch besser aus. Ich greife also in einen Blecheimer, fange die grünen Schoten und lege wie gewünscht auf.
Die Wünsche meiner Stammkundschaft kenne ich auswendig. Bei Lena war klar, viele Peperoni. Großer Hunger, wenig Geld! So geht es den meisten Teenagern. Und das, obwohl meistens beide Elternteile arbeiten. Aber halt, das wäre wieder ein anderes Thema.
Manche Schüler verbringen jeden Nachmittag bei mir. Die über sechzehn Jahre trinken nach der Schule Bier und rauchen selbstgedrehte Zigaretten.
Da kann ich leider nichts machen. Ich habe ihnen immerhin beigebracht, dass sie nach dem Verzehr der Minipizza die abgegessenen Pappdeckel selbstständig zum großen Mülleimer bringen, der direkt an der Theke neben der Kasse steht. So kann ich es kontrollieren.
Die Jugendlichen müssen mich und meine Regeln respektieren, darauf lege ich Wert. Für den günstigen Preis können sie nicht erwarten, dass ich sie bediene."
Maria stimmte ihm zu.
"Sie müssen also alle bei mir vorbei kommen, um ihren Pappdeckel zu entsorgen. Deshalb fiel es mir eines Tages überhaupt auf. Jedesmal, wenn Lena zur Theke kam, stand Sören plötzlich neben ihr.
Bei Sören weiß ich immer, wo er gesessen hat. Tabakkrümel macht nämlich keiner von dieser Bande weg. Wenn sie mit ihren Mofas und Mopeds davonbrausen, muss ich da nacharbeiten. Überall Tabakkrümel! Als ob sie nur trockenen Tabak rauchen!"
"Wie meine Geschwister, das kenne ich."
Maria nickte zustimmend.
"Die fahren wie eine Motorradgang mit knatternden Auspüffen vor, belegen mit Helm und Nierengurt gleich zwei Plätze, und stapfen dann mit dicken Stiefeln vor meinen Tresen. Zwei Minis und ein Bier! Ich könnte mich totlachen!
Lena dagegen immer zurückhaltend. Bestellte immer mittags, schwänzte also den Unterricht nicht. Bevor zwischen den beiden was lief, ging sie vor halb drei.
Dann fiel es mir noch deutlicher auf. Gegen vier sitzt sie immer noch und nippt seit zwei Stunden am selben Glas Cola. Ich mache mir eben Gedanken über meine Gäste.
In dem Alter, denke ich, ist ja alles nicht so einfach. Vor allem, was die Gefühle betrifft. Wenn Kids sich verlieben, gehen sie ja nicht einfach aufeinander zu und sagen: Hallo, willst du mit mir gehen?"
Pepes und Marias Blicke streiften sich. Sie vermieden, einander tiefer in die Augen zu sehen. Pepe lächelte.
No comments:
Post a Comment