Tuesday, December 20, 2005

Fortsetzung 31

Beim Reden nuschelte Sören immer etwas. Man musste ihm genau zuhören. Und er drehte pausenlos Zigaretten. Als könne er sonst nicht sprechen. Dabei lehnte er sich lässig zurück. Ich hatte mich immer gefragt, ob er die alle selbst rauchen wollte. Arme Lunge!
Seine Verfolgungsjagd mit der Polizei, der er glücklich entwischte, war jedoch nichts gegen die Nummer in dieser Hochhaussiedlung. Sören beschrieb alles sehr genau.
Nicht mehr weit bis zur mit Lena verabredeten Stelle. Er schob jetzt von der Straße weg über Plattengehwege zwischen den Wohnblöcken sein Moped.
Eine Abkürzung, das wusste er, gab es über den Spielplatz. Verbummelte Zeit wieder Aufholen, das macht erfinderisch. Gerade wollte er seine Karre durch die Eingangspforte schieben, da stand er still.
Stimmen, vor ihm hinter den Büschen. Durch Zweige rotes Aufglimmen von Zigarettenkippen, Gelächter.
Der Spielplatz, Treffpunkt einer Gang etwa? War ihm klar, dass die es nicht besonders gern sahen, wenn jemand aus einem anderen Viertel durch ihr Gebiet lief. Er lauschte.
So, deine Mutter ruft die Polizei, wenn du nicht nach Hause kommst? Höhnte eine Stimme. Warum lässt sie dich dann so spät noch aus der Wohnung? In deinem Alter?
Lena! Sören fuhr ein Schrecken durch den ganzen Körper.

Sofort versuchte er, durch die Sträucher hindurch die Gesichter besser zu erkennen. Nur fahles Licht schien aus den Fenstern über ihm. Drei kräftige Typen in Lederjacken. Das Leder glänzte speckig. Bitte lasst mich los!
Lenas Stimme?
Sein Speichel wurde schlagartig trocken. Wut schnürte seinen Kehlkopf.
Was kriegen wir dafür, wenn wir dich gehen lassen? Wieder die Stimme von demselben Typen.
Ich habe doch nichts, flehte die Mädchenstimme. War sie es etwa doch nicht? Und wartete an der verabredeten Stelle auf ihn?
Wenn sie es war, musste er eingreifen. Und wenn sie es nicht war, konnte er dann etwa einfach abhauen? Ein hilfloses Mädchen diesen Ungeheuern überlassen?
Unmöglich! Wie schäbig wäre er vor seinem eigenen Gewissen, würde er sich einfach aus dem Staub machen.
Allein gegen drei. Schöner Mist! Helfen, selbstverständlich, aber wie? Die drei waren älter, kräftiger und dazu vielleicht auch noch bewaffnet. David gegen Goliath! Hatte der es nicht auch geschafft?
Er sah das gleichzeitige Aufglühen ihrer Zigaretten in der Dunkelheit. Sie machten alles ganz langsam, hatten Zeit.
Vielleicht hat deine Mutter gar nicht gemerkt, dass du fehlst, spottete eine andere Stimme diesmal.
Dann kannst du ja mit zu mir kommen. Ich lade dich ein!
Das Mädchen weinte.
Ein rasender Zorn stieg in Sören auf. Entschlossen setzte er seinen Motoradhelm auf. Wenn schon sich Prügeln müssen, dann wenigstens mit Helm. Ein Vorteil gegenüber den Dreien.

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