Saturday, November 12, 2005

Fortsetzung 13

Die Unterhaltung versiegte daraufhin. Alle Insassen des Abteils hörten nur auf die Fahrgeräusche des Zuges, die in ein lautes Zischen übergegangen waren. Der Waggon schlingerte auf den Schienen, bei hoher Geschwindigkeit.
Pepe dachte an seine letzte Reise, in einem Großraumwagen, und an diese Art von Schweigen, die ihn dort befiel. Es ist wie ein Theater, in dem Publikum sitzt, aber die Vorstellung wird niemals beginnen.
"Manche beruhigt Anonymität, mich nicht."
Hatte er leise für sich geredet? Egal! Die Meinung eines Hühnerzüchters kam ihm in den Sinn. Der hatte sich geweigert, seine Legebatterien in eine Zucht auf Basis Bodenhaltung zu verändern. Gleich hörte er seine schneidende Stimme.
"Hühner fühlen sich doch wohl in ihren Einzelkäfigen, die schützen sie vor der natürlichen Hackordnung innerhalb der Hühnergesellschaft. In Einzelkäfigen legen sie auf jeden Fall mehr Eier."
Pepe riskierte einen heimlichen Seitenblick auf die ältere Dame, die er gerade im Profil sah.
"Sie sieht aus wie ein Huhn, oh, tatsächlich! So vom Hals her, wie ein Huhn. Nur ihr Goldschmuck macht sie zum menschlichen Wesen. Ansonsten, auch ihre Haltung, nein wirklich, wie ein Huhn."
Dann schaute er aus den Augenwinkeln auf Maria. Ihre blonden Haare fielen wie ein Helm um ihren Kopf. In ihrem blassen Gesicht funkelten ihre grünen Augen, blitzten so schön wie helle Smaragde.
Sie blätterte gerade nach ihrem Lesezeichen im Buch, schien unentschlossen, ob sie sich ihrer Lektüre wieder zuwenden sollte.
"Vielleicht ist ihr im Grunde genommen alles egal? Hauptsache, irgendwer oder irgendwas unterhält sie?"
Pepe fühlte in seinem Magen den Alkohol vom vergangenen Abend, als er in Berlin mit einem guten Freund Wiedersehen gefeiert hatte.
"Immer wird viel getrunken in Berlin, wenn wir uns einmal im Jahr wiedertreffen. Ich brauche jetzt unbedingt ein Glas Wasser."
Er verließ ohne ein Wort das Abteil.

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